Zahlen & Fakten

Informiert heisst besser orientiert. «Zahlen und Fakten» stellt Ihnen spannende Kurzgeschichten bereit, die eine Vielzahl von Themen rund um das Bauhauptgewerbe abdecken. Navigieren Sie mithilfe der interaktiven Tools und leicht verständlichen Grafiken durch die Geschichte, um überraschende Fakten zu entdecken.

Schiene und Strasse werden gemeinsam gebraucht

1. Die Strasse ist der Leistungsträger Nr.1

Der motorisierte Individualverkehr (MIV) stemmt 80% aller Personenkilometer. Seit dem Jahr 2000 sind beim MIV 11.7 Mrd. Personenkilometer dazugekommen, beim öffentlichen Nahverkehr 0.8 Mrd. und auf der Schiene 6.7 Mrd.

Selbst der öffentliche Nahverkehr wird zu drei Vierteln auf der Strasse mittels Trolleybusse und Autobussen abgewickelt, nur ein Viertel mittels Trams. Die Pflege und der Ausbau der Strassen bleiben unumgänglich, wenn die Schweizer Bevölkerung vorwärts kommen will.

2. 10% weniger MIV = 200% mehr öffentlicher Nahverkehr nötig

Würde man bloss 10% der Leistung des motorisierten Individualverkehrs verlagern -das entspricht 9 Mrd. Personenkilometern -, so müsste die Eisenbahn ihre Kapazitäten um die Hälfte erhöhen, der öffentliche Nahverkehr sogar verdreifachen. Man bräuchte also wesentlich mehr Lokführer sowie Tram- und Buschauffeure, längeres Rollmaterial und / oder höhere Taktfrequenzen.

Die bestehende Infrastruktur lässt sich effizienter nutzen, aber es sind Zweifel angebracht, ob man die notwendigen Zusatzinvestitionen aufbringen und Personal rekrutieren könnte.

3. Konkrete, spürbare Vorteile ändern den Modalsplit

Dank dem Gotthard-Basistunnel ist es gelungen, den Modalsplit innert kurzer Zeit zu verändern: vor der Eröffnung des Basistunnels nahmen 2016 nur ein Viertel der Passagiere vom und ins Tessin den Zug, 2022 waren es schon 32%.

In der Gesamtschweiz hingegen stagniert der Modalsplit seit zwei Jahrzehnten. Dabei hat der Verkehr mit dem Tessin deutlich zugenommen, der Zug befördert 50% bzw. 4000 Personen am Tag mehr, das Auto 8% bzw. 2000 Personen. Ohne den neuen Tunnel wäre der Autoverkehr wohl noch deutlich stärker gestiegen. Die Passagiere sind auf den Zug umgestiegen, weil dieser nun deutlich grössere Vorteile als früher bietet: die Fahrzeit wurde um fast eine Stunde deutlich gesenkt und die Zugfrequenz ist gestiegen. Solche spürbaren Vorteile motivieren, das Auto gegen den Zug einzutauschen.

Der Ausbau der Schiene ist an vielen Orten sinnvoll, aber nicht überall. Fahrzeitreduktionen um wenige Minuten werden den Modalsplit kaum verändern. Deshalb wird die Strasse wichtig bleiben.

4. Strassenausbau auch künftig notwendig

120 000 Fahrzeuge passieren täglich den Gubrist-Tunnel nahe Zürich, ein landesweit für seine Stauneigung bekanntes Nadelöhr. Der neue, dritte Gubrist-Tunnel verdeutlicht die Vorteile des Strassenausbaus: bis zu 20% weniger Verkehr auf Ausweichrouten in den Gemeinden, deutlich weniger Stau und 75% weniger Unfälle auf diesem Abschnitt auf der Nationalstrasse A1.

Es ist wichtig, dass die Schweiz auch künftig solche Engpässe durch den punktuellen Ausbau der Strassen entschärft, um wirtschaftliche sowie Gesundheits- und Umweltkosten zu senken. Die Bevölkerung wird auch künftig hauptsächlich mit dem eigenen Wagen unterwegs sein, eine vernetzte Verkehrspolitik muss dem Rechnung tragen.

Alterung reduziert nicht den Bedarf an Wohnungen und Infrastruktur

1. 25 – 64-Jährigen: mit höheren Mieten rechnen

Die Schweizer Bevölkerung wächst und wird immer älter, der Anteil der Pensionierten steigt in den nächsten Jahrzehnten deutlich.

Die 25-64-Jährigen bezahlen in der Schweiz stets die höchste Miete von allen Altersgruppen, und dies unabhängig von der Wohnungsgrösse oder der Region. 1-Zimmer-Wohnungen werden hauptsächlich von den Unter-25-Jährigen nachgefragt, wenn sie etwa aus dem Elternhaus ausziehen. Sie sind bereit, für diese Wohnkategorie eine etwas überdurchschnittliche Miete zu bezahlen, da sie eine grössere Unterkunft nicht finanzieren können. Interessanterweise zahlen sie für eine Unterkunft mit 6 oder mehr Zimmern deutlich weniger Miete als die anderen beiden Altersgruppen. Dies deutet daraufhin, dass es sich für finanziell vor allem rentiert, sehr grosse Wohnungen in einer Gemeinschaft zu belegen.

Bis zu den 5-Zimmer-Wohnungen bezahlen die Über-65-Jährigen stets die tiefste Miete aller Alterskohorten. Die geringsten Aufwendungen müssen sie in der Ostschweiz und im Espace Mittelland entrichten, die höchsten, wie alle Alterskohorten, in Zürich. Als einzige Region zahlen Pensionierte im Tessin für eine Mietwohnung genauso viel wie die Erwerbstätigen. Dies reflektiert den im landesweiten Vergleich hohen Anteil älterer Menschen im Tessin.

Der finanzielle Vorteil der älteren Generation im Vergleich zu den Erwerbstätigen und Jüngeren liegt darin begründet, dass sie seit wesentlich längerer Zeit in derselben Wohnung leben. Dies hält ihre Mieten tief und hindert sie an einem Umzug. Dies geht zu Lasten der anderen beiden Alterskohorten, die keinen Zugriff auf solchen günstigen Wohnraum haben, obwohl sie ihn ebenfalls nutzen könnten. Eine Angleichung der Mieten zwischen Bestands- und Angebotswohnungen sowie mehr Bautätigkeit sind die einzigen Lösungen.

2. Spreizung von Bestands- und Angebotsmieten sorgt für «Lock-In» Effekt

Wenn man umziehen möchte, etwa weil die Kinder ausgezogen sind, überlegt man sich vielleicht, in eine kleinere Wohnung umzuziehen, um weniger Geld für die Miete auszugeben. Fakt ist aber auch, dass die Angebotsmieten für neue Wohnungen schneller steigen als die Bestandsmieten für alte Wohnungen.

Wenn man zum Beispiel fünf Jahre oder länger in einer 4-Zimmer Wohnung gelebt hat, würde man für den Umzug in eine neue 3-Zimmer Wohnung mehr Miete entrichten. Obwohl man ein Viertel der Wohnfläche aufgibt, muss man trotzdem mehr bezahlen. Hat man fünf Jahre in alten grösseren Wohnungen gelebt, dann zahlt man für die neue kleinere Wohnung praktisch gleich viel. Hat man 25 Jahre in der alten Wohnung zugebracht, dann beträgt der Aufschlag für die neue kleinere Wohnung 36%.

Dies erklärt zu einem gewissen Grad, warum insbesondere ältere Menschen in für sie überdimensionierten Wohnungen bleiben («Lock in») und weit mehr Wohnfläche pro Kopf beanspruchen als jüngere Generationen.

3. Freizeit und Arbeit braucht effizienten Verkehr

Alle Alterskohorten legen für die Freizeit die meisten Kilometer zurück. Der zweitgrösste Verkehrszweck ist für die 18-24-Jährigen die Ausbildung und Schule bzw. für die 25-64-Jährigen die Arbeit.

Mit Pensionsantritt fallen diese Mobilitätsbedürfnisse für Ausbildung und Beruf weg. Die Über-65-Jährigen legen aber ähnlich weite Strecken für Freizeit, Einkäufe und andere Verpflichtungen (z.B. Arztbesuche) zurück wie die jüngeren Generationen.

Flexibilität, Schnelligkeit, Effizienz und weniger Stau hilft allen Generationen, produktive und administrative Aufgaben rasch zu erledigen respektive ihre Freizeit mehr zu geniessen. Die zunehmende Alterung der Schweiz ändert diese Anliegen an die Verkehrsinfrastruktur und Verkehrspolitik nicht. Obschon die Über-65-Jährigen weniger mobil sind als jüngere Generationen, sind auch sie über 20 Kilometer am Tag unterwegs, den Grossteil ihrer Strecken bewältigen sie mit dem eigenen Personenwagen.

4. Mobilität zeitgemäss unterstützen

Erwerbstätigen legen die meisten Kilometer am Tag zurück. Im Vergleich mit Jugendlichen und den Über-65-Jährigen haben sie einen erhöhten Anspruch an die Mobilität.

Das bevorzugte Verkehrsmittel ist für alle Alterskohorten der motorisierte Individualverkehr (MIV), die Menschen legen je nach Alter zwischen 7 und 27 Kilometer am Tag zurück, gefolgt vom Zug (1.7 bis 11 Kilometer). In fast jedem Alter legt man im Schnitt 2.5 Kilometer zu Fuss oder mit dem Velo täglich zurück.

Der MIV und der Schienenverkehr werden auch in Zukunft mit deutlichem Abstand Vorrang vor allen anderen Verkehrsmitteln geniessen. Eine vorteilhafte Verkehrspolitik passt sich dementsprechend an und investiert in Strasse und Schiene.

Wenn man an den MIV denkt, verknüpft man dies vielleicht gedanklich mit den CO2-Emissionen. Dabei sollte man gewisse Trends nicht ausser Acht lassen. Der CO2-Ausstoss pro Personenwagen hat in den letzten 20 Jahren um 40% abgenommen. Immer mehr elektrische Fahrzeuge werden zugelassen. Der Unterhalt und Ausbau der Strassen und Schienen, auch mit Blick auf die grösste Effizienz für die Verkehrsteilnehmer, bleiben eine Notwendigkeit.

Alle Wünsche bzw. Entwicklungen können befriedigt werden mit einem Wohnungsmarkt und einer Infrastruktur, welche diesen Bedürfnisse entgegenkommt. Dafür braucht die Bevölkerung Investitionen in der Strasse und Schiene, Anreize für passende Wohnungen und neue Wohnmodelle.

Leistungsmaschine Strasse

1. Stau hat seit 2019 auf 21 von 23 Nationalstrassen zugenommen

Innerhalb von acht Jahren hat sich der Stau auf nahezu 50 000 Stunden verdoppelt. Die Hauptursache liegt in der Überlastung. Die Staustunden haben auf fast allen Nationalstrassen zugenommen. Die A1, A2 und A3 haben schon vor Corona die meisten Staustunden verzeichnet, auf diesen drei Routen hat die Belastung abermals stark zugelegt.

Aber auch auf vielen anderen Strecken wie der A4 (Thayngen – Altdorf), A13 (St. Margrethen – Ascona) oder A20 (Murten – Col des Roches) sind die Kapazitätsgrenzen immer öfters erreicht. Dies unterstreicht den Handlungsbedarf, die bestehenden Nationalstrassen STEP 2030 zu ergänzen.

2. Private Autofahrer nutzen zwar Strassen, sie zahlen aber auch selbst dafür

Der motorisierte Individualverkehr (Personenwagen, Motorräder usw.) finanziert seine eigenen Kosten zu 87% selbst. Der öffentliche Strassenverkehr (Tram, Bus, etc.) hingegen kommt nur für 44% seiner Kosten selbst auf. Jeder zweite Franken fliesst ihm als Subvention zu.

Das Corona-Jahr 2020 war eine Ausnahme als die Eigenfinanzierung des öffentlichen Strassenverkehrs (Autobusse, Trolleybusse und Trams) auf 34% gesunken ist. Vermutlich hat er sich anschliessend wieder erholt, jüngere Daten liegen aber derzeit nicht vor. Der Fall zeigt aber die finanzielle Abhängigkeit des öffentlichen Strassenverkehrs von Steuermitteln auf.

Der motorisierte Individualverkehr kennt hingegen eine solche Verwundbarkeit nicht. In den Jahren, in denen seine Kosten gestiegen sind, haben die Verursacher ihre Beiträge proportional erhöht.

3. Strasse finanziert teilweise die Schiene

Mit dem Einverständnis des Volks hat der Bund drei Fonds eingerichtet, um die Verkehrsinfrastruktur zu betreiben und auszubauen. Mit den Fonds sind der BIF für die Schiene, der NAF für die Strasse und die «Spezialfinanzierung Strassenverkehr» für Schiene, Strasse und Weiteres gemeint.

Im Jahr 2023 fliessen der Schiene direkt 1.2 Mrd. Franken aus allgemeinen Steuermitteln zu und 4.5 Mrd. Franken aus Steuern indirekt über den BIF. Der motorisierte Individualverkehr steuert eine weitere Milliarde Franken an den BIF und damit zum Schienenverkehr bei.

Die «Spezialfinanzierung Strassenverkehr» wird rein aus Geldern des motorisierten Individualverkehrs gespiesen. Davon wiederum gehen 365 Mio. Franken an die Schiene, nämlich 262 Mio. Franken indirekt über den BIF und 103 Mio. Franken direkt. Ferner wendet dieser Fonds 376 Mio. Franken für Umweltschutz u.ä. (40%) sowie Verwaltungsaufwand (60%) auf. Trotz seines Namens gehen die Gelder aus der «Spezialfinanzierung Strassenverkehr» zu einem erheblichen Teil an den Schienenverkehr und an den Bereich Umwelt. Die Strasse finanziert teilweise die Schiene.

Man sollte ausserdem die Proportionen berücksichtigen: in Unterhalt und Ausbau der Schiene fliessen 6 Mrd. Franken im Jahr 2023, in die Strasse nur fast halb so viel (3.4 Mrd. Franken). Mit «Strasse» sind hier nicht nur die Nationalstrassen, sondern auch Hauptstrassen und Agglomerationsverkehr gemeint. Dementsprechend fliessen in den Bau und Unterhalt von Strassen vergleichsweise wenig Geld, und der motorisierte Individualverkehr kommt ohnehin praktisch selbst für die gesamten Kosten auf.

4. 20% weniger CO2 trotz 20% mehr Wagen

1990 waren in der Schweiz 3 Mio. Personenwagen zugelassen, 2008 waren es 4 Mio. Die CO2-Emissionen des gesamten Verkehrssektors sind in diesem Zeitraum ebenfalls gestiegen. Aber seitdem hat eine Trendumkehr stattgefunden. Betrugen die Emissionen 2008 noch 16.7 Mio. Tonnen CO2, so waren 2022 noch 13.7 Mio. (-18%) – und dies obwohl zusätzliche 0.7 Mio. Personenwagen zugelassen wurden.

Die Personenwagen wurden mit der Zeit umweltfreundlicher, Abgasfilter oder Elektroantriebe reduzieren die Umweltbelastung. Der Verkehr ist also auf dem richtigen Weg, er senkt den CO2-Ausstoss auch ohne Verbote oder künstliche Einschränkungen für den motorisierten Individualverkehr. Ein Ausbau der Nationalstrassen würde zudem jenes CO2 verhindern, das die Wagen während Staus ausblasen.

Durch Strassenbau ein wichtiges Volksvermögen erhalten

1. Von 0% auf 50% – Bund ist der grösste Auftraggeber

Die realen Ausgaben für den Strassenbau sind in den letzten 20 Jahren deutlich gesunken, von 5.1 Mrd. Franken 1994 auf 3.9 Mrd. Franken 2022 (gemessen in Preisen von 2022), das sind -24%. Der Strassenbau ist fast ausschliesslich durch die öffentliche Hand finanziert, über 95% der Ausgaben stammen vom Bund, Kantonen oder den Gemeinden, nur der kleine Rest stammt von privaten Auftraggebern.

Bis 2008 waren fast keine Aufwendungen des Bundes für den Strassenbau feststellbar. Dies änderte sich im Jahr 2008 als die Nationalstrassen als Eigentum von den Kantonen an den Bund übergingen im Rahmen des Neuen Finanzausgleichs.

Die Kantone sind heutzutage in der Regel noch für den Betrieb und den Unterhalt der Nationalstrassen zuständig, der Bund in Form des Bundesstrassenamts ASTRA für die Bauprojekte auf den Nationalstrassen. Heutzutage ist der Bund mit 1.9 Mrd. Franken bzw. rund der Hälfte der Ausgaben der grösste Auftraggeber im Strassenbau.

2. Gleich viel Geld pro Kopf für Strasse und Schiene

Seit 1994 sind die gesamthaften, preisbereinigten Ausgaben für den Bau der Strasseninfrastruktur um 24% gesunken.

Angesichts der steigenden Bevölkerung sind daher die Pro Kopf Aufwendungen noch stärker zurückgegangen, nämlich um 39%. Pro Kopf wurden 1994 noch über 700 Franken pro Einwohner für den Strassenbau ausgegeben, heutzutage sind es 444 Franken.

3. Geld primär für die Verbesserung, kaum für den Neubau

Hingegen wird Geld für den Umbau von Strassen genutzt. 1994 wurden erst 30% der Ausgaben für die Strasseninfrastruktur in den Umbau gesteckt, heute sind es 80%. In den 1990er Jahren floss das Geld im Strassenbau vor allem in neue Projekte. 3.5 der 5.1 Mrd. Franken bzw. 70% wurden für den Neubau aufgewandt. Die restlichen 30% gingen in den Umbau bestehender Strassen.

Mit der Zeit wurde das Strassennetz immer vollständiger, so dass heutzutage nur noch 20% in Neubauprojekte fliessen. Hingegen stehen 80% für den Umbau zur Verfügung. «Umbau» fasst Ausbau, Umgestaltung, Erweiterung, Renovation, Sanierung und Abbruch zusammen.

Die Schweiz baut also kaum noch neue Strassen, aber sie verbessert die bestehenden. Damit schont sie den Flächenverbrauch. Das STEP-Programm, über welches das Volk im November 2024 abstimmt, dient vor allem genau der Verbesserung und dem Umbau der Nationalstrassen statt dem Bau neuer Strassen.

4. Strassen sind Vermögen

Das Strassennetz in der Schweiz stellt einen Vermögenswert dar. Da sich fast alle Strassen im Staatsbesitz befinden, handelt es sich quasi um Volksvermögen. Wie jedes Vermögen müssen auch die Strassen gepflegt werden, damit es sich nicht abnutzt.

In den 1990er und 2000er Jahren waren die Nationalstrassen rund 45 Mrd. Franken wert, heutzutage sind es nur noch 40 Mrd. Franken. Dabei sind die Nationalstrassen jene Adern, welche das ganze Land zusammenhalten.

Die Kantonsstrassen verbinden die Ortschaften innert der Kantonsgrenzen. Deren Wert ist von 20 auf 25 Mrd. Franken gestiegen. Die Gemeindestrassen, die dem alltäglichen Leben vor Ort dienen, haben ihren Wert um 10% gesteigert, von 18.7 auf 20.6 Mrd. Franken.

Bei den Nationalstrassen herrscht also Aufholbedarf, damit dieser Vermögenswert nicht verlottert. Mit STEP 2030 lässt sich dieses Volksvermögen erhalten.

Bauen, wo andere Ferien machen

1. Inlandstourismus ist robust und wächst

Im Jahr 2019, just vor der Corona-Pandemie, konnte sich der Tourismus in der Schweiz erfreut zeigen. Beinahe 40 Mio. Übernachtungen zählten die Hoteliers. Die Mehrheit der Logiernächte ist ausländischen Gästen zuzuordnen. Allerdings ist in den letzten 15 Jahren die Anzahl Logiernächste der Inländer schneller gewachsen als jene der Ausländer. Im Corona-Jahr ist der ausländische Tourismus stark eingebrochen, während sich der inländische als recht stabil bewies. Die KOF prognostiziert, dass das Geschäft mit den inländischen Gästen auch künftig seine hohe Wachstumsgeschwindigkeit aufrecht halten kann (18.7 Mio. Nächte in 2023) während man sich bis zur Rückkehr der ausländischen Touristen noch etwas gedulden muss. Die Zahlen beschränken sich auf die Gäste von Hotels, Prognosen zu den Übernachtungen in Ferienwohnungen existieren nicht. Indes zeigen die Daten der letzten Jahre, dass sich die Übernachtungen in Hotels und Ferienwohnungen äusserst ähnlich entwickeln. Daher sind die Prognosen der Hotellerie auch richtungsweisend für Ferienwohnungen. Gemäss Bundesamt für Statistik versteht man unter Ferienwohnungen jene Wohnungen, die über Vertriebsorganisationen wie Buchungsplattformen zur touristischen Nutzung angeboten werden.

2. Nachfrage fundiert die Ferienwohnung

Die Anzahl der Ferienwohnungen ist in der Schweiz von rund 33.400 im 2016 auf knapp 30.100 im 2019 gesunken, gefolgt von einem leichten Anstieg ein Jahr später. Damit ist das Angebot in den letzten Jahren insgesamt gesunken.

Im gleichen Zeitraum entwickelte sich die Nachfrage hingegen positiv, mit einem leichten Rückgang in den letzten beiden Jahren. Trotzdem bleibt die Anzahl der Logiernächte insgesamt hoch. Gemäss der Prognose von der KOF aus Grafik 1 sollte die Anzahl der Logiernächte bis 2023 weiter steigen und sich von den Corona-Auswirkungen rasch erholen. Eine steigende Nachfrage bei begrenztem Angebot verspricht höhere Preise. Wenn die Logiernächte mehr Einkommen generieren, kann es für Investoren attraktiv sein, Ferienwohnungen zu errichten.

3. Erhöhte Kapazitätsauslastung der Betten

Zusammen mit den Ferienwohnungen ist auch die Anzahl der verfügbaren Betten gesunken. Unter der Annahme, dass jedes Bett an 365 Tagen im Jahr verfügbar ist, berechnet sich die Kapazitätsauslastung als Quotient aus den Logiernächten und der Anzahl verfügbarer Betten. Die Auslastung ist in den letzten Jahren gestiegen und konnte sich auch in der Corona-Krise gut behaupten. Eine höhere Auslastung bedeutet eine effizientere Nutzung der vorhandenen Kapazitäten, was für Bauinvestoren mit höherer Rentabilität gleichzusetzen ist. Vermutlich wird das Niveau der Auslastung unterschätzt, da entgegen der Annahme der permanenten Verfügbarkeit der Betten die meisten Wohnungseigentümer die Ferienwohnung für ein paar Wochen im Jahr wohl auch für den Eigenbedarf nützen.

4. In Tourismus investieren

In den letzten fünf bis sieben Jahren sind die Bauinvestitionen in den touristischen Gemeinden gestiegen. Sowohl für die Beherbergung, als auch Verkehrsanlagen sowie Freizeitanlagen wurde mehr Geld ausgegeben als in der Vergangenheit. Die Tourismusgemeinden sind schneller und einfacher zu erreichen und die Transportwege vor Ort sind in einem besseren Zustand. Die Möglichkeiten, die Freizeit zu gestalten, haben zugenommen. Dies steigert die Attraktivität, weil mit mehr Touristen zu rechnen ist. Dementsprechend dürfte auch die Nachfrage nach Ferienwohnungen zunehmen.

5. Pro Gast mehr Einnahmen

Fast 60% der Gäste, die eine Ferienwohnung touristisch nutzen, sind Inländer. Zum Vergleich: unter allen Beherbergungsanboten in der Schweiz machen Inländer lediglich 52% aus (jeweils gemessen an der Anzahl Logiernächte). Zudem verbringen die Gäste in Ferienwohnungen im Durchschnitt 6.5 Nächte (dies gilt für Inländer als auch Ausländer), in Hotels sind es bloss 2 Nächte. Damit ist es wahrscheinlich, dass ein Gast mehrere Nächte in einer Ferienwohnung übernachtet, so dass der Eigentümer mit einem höheren und stabileren Einkommen rechnen kann. Mit einer tieferen Anzahl an Gastwechseln sind ausserdem die Unterhaltskosten geringer, weil etwa der administrative Aufwand und die Reinigungskosten sinken. Vor diesem Hintergrund und dank der vorhergesagten steigenden Nachfrage könnten Ferienwohnungen attraktiv für Investoren sein.

Die Kantone verdichten

1. Mehr Bevölkerung, wenig Platz

Der Ort, wo wir wohnen, arbeiten oder uns erholen beeinflusst unsere Lebensqualität. Angesichts des grossen Bevölkerungswachstums in der letzten Dekade gewinnt die Verdichtung an Bedeutung. In allen Kantonen ist die Bevölkerung gewachsen, in fünf Kantonen sogar um mehr als 10%: Freiburg ist Spitzenreiter mit 12.2%, gefolgt von Waadt, Aargau, Zürich und Thurgau. Hingegen zeigt Neuchâtel das scheuste Wachstum mit 1.1%.

In den fünf Kantonen mit dem grössten Bevölkerungswachstum hat auch die Anzahl Arbeitsplätze deutlich angezogen. Die Jobs sind in Freiburg um 9.2% gestiegen, ein Rekordhalter.

Mehr Menschen, die auf derselben Fläche wohnen und arbeiten. Eine verdichtete Bauweise tut daher not.

2. Wertvollen Raum effizient nutzen

Wie effizient nutzen die Kantone die Ressource-Boden? Um die Frage zu beantworten, muss man vergleichen, ob die Siedlungsfläche stärker gestiegen ist als die Anzahl Raumnutzer (Bewohner und Arbeitsplätze). Falls ja, so bauen die Kantone dichter, sie nutzen den Raum effizienter. In 19 Kantonen wurde dichter gebaut, hier stieg die Siedlungsfläche stärker als die Anzahl Raumnutzer. Zürich, Zug, Basel-Stadt, Genf und Waadt sind die fünf Kantone mit dem besten Verhältnis.

In Kantonen wie Uri, Bern oder Glarus ist die Anzahl Raumnutzer vergleichsweise gering gewachsen. Der zusätzliche Bedarf an Wohn- und Arbeitsraum ist nicht wesentlich gestiegen, die Notwendigkeit zur Verdichtung ist damit vielleicht etwas geringer als in den meisten anderen Kantonen.

3. Entspannung – immer ein Thema

Abstand vom Alltag nehmen braucht Platz – wo findet man ihn und wie grün ist das Gras auf der anderen Seite resp. im anderen Kanton? In den meisten Kantonen sind die Grün- und Erholungsflächen pro Einwohner in der letzten Dekade gesunken. Bloss in sechs Kantonen ist die Fläche pro Kopf gestiegen, die besten Werte weisen Obwalden und Luzern aus. In Basel-Stadt ist Verhältnis konstant geblieben, in allen anderen Kantonen ist es gesunken. Das Bevölkerungswachstum dürfte der wichtigste Grund sein, auf begrenztem Raum wird nun ein Quadratmeter von mehr Menschen geteilt als früher. Die Umnutzung etwa von Brachen in Gärten und Parks konnte mit der Bevölkerungszunahme oft nicht Schritt halten. Da nicht alle Neubauten alte Gebäude ersetzen, wurden Wohn- und Büroflächen teilweise auch auf Erholungs- und Grünanlagen geschaffen. Die weitere Verdichtung von Immobilien würde die bestehenden Grünflächen schonen, sie könnte sogar Platz für neue Erholungsgebiete schaffen.

4. Der Traum vom eigenen grossen Zuhause

Mit Ausnahme von Genf und Basel ist die durchschnittliche Wohnfläche pro Bewohner in allen Kantonen seit 2012 gestiegen. Da Genf kaum noch freie Bauflächen bietet, ist die Verdichtung schon nahezu Pflicht. Auch viele Kantone mit grossen wirtschaftlichen Städten wie Zürich und Bern haben nur begrenzte Möglichkeiten, mehr Flächen für neue Wohngebäude umzunutzen. Die Verdichtung und der Ersatzneubau ermöglichen es aber, auf einer gegebenen Fläche mehr Platz pro Wohnung und Bewohner herauszuholen. Moderne Wohnungsschnitte und Bauweisen machen dies möglich. Steigt die Nachfrage für grössere Wohnungen, profitiert davon auch die Baufirma.

Wohnungsmarkt: Vom Überschuss zur Not in zwei Jahren

1. Wohnungsleerstand so schnell gesunken wie noch nie

Fast 79’000 Wohnungen standen im Jahr 2020 frei, ein Höchststand der vergangenen Dekaden. Die Rede war von Wohnungsüberschuss, die Mieten für Neubauten sanken. Mancherorts mussten Vermieter Gutscheine oder Mietnachlässe gewähren, um Interessenten zu locken. Die Zeiten sind vorerst vorbei. 2022 standen nur noch etwa 61’500 Wohnungen frei. Ein Rückgang von 17’500 Wohnungen in nur zwei Jahren, so etwas hat die Schweiz seit mindestens 40 Jahren nicht gesehen. Die Leerstandsquote ist von 1.7% auf 1.3% gerutscht und die Talfahrt dürfte sich 2023 auf 1.2% fortsetzen. Manche Tageszeitungen propagieren bereits eine Wohnungsnot. Sie verweisen auf nun steigende Mieten, kürzere Laufzeiten von Wohnungsinseraten im Internet und grössere Warteschlangen bei Besichtigungen.

2. Mehr neue Haushalte und neue Wohnungen führen zu tiefem Leerstand

Jeder neu gegründete Haushalt braucht eine Wohnung. Die Bautätigkeit folgt dabei Zyklen, in den wenigsten Jahren haben sich Angebot und Nachfrage genau ausgeglichen. Wenn mehr Wohnungen gebaut als Haushalte neu gegründet wurden, so führte dieser Überschuss zu einem Anstieg des Leerstands.

Zwischen 2010 und 2018 wurden im Durchschnitt 49’000 Wohnungen jährlich gebaut. Dem standen rund 45’000 neugründete Haushalte pro Jahr gegenüber. Entsprechend nahm der Leerstand zu. Danach setzt aber eine Trendumkehr ein, es wurden weniger Wohnungen gebaut als zuvor und gleichzeitig wurden mehr neue Haushalte gegründet. Dies bedeutete eine Reduktion des Leerstands, auch 2023 dürften mehr Wohnungen nachgefragt als neu gebaut werden.

3. Jüngste Haushaltsbildung getrieben durch Wohnpräferenzen

Drei Faktoren bestimmen die Gründung von neuen Haushalten. Erstens, die Nettozuwanderung, in die Schweiz migrieren mehr Menschen als auswandern. Dadurch sind eine halbe Million neuer Haushalte in den letzten 20 Jahren entstanden, also etwa 2/3 aller zusätzlichen Haushalte. Zweitens, der Geburtenüberschuss, er hat etwa 7’000 Haushalte pro Jahr bzw. 18% beigetragen. Der bislang kleinste Faktor waren die Haushaltsverkleinerungen, sie verursachten bis 2018 bloss 6’000 neue Haushalte pro Jahr bzw. 15%. Seit 2019 hingegen haben sie eine deutlich grössere Bedeutung erlangt, ihr Beitrag erhöht sich auf gut 20’000 zusätzliche Haushaltsgründungen jährlich. Dieser Faktor begründet seitdem den starken Anstieg von neuen Haushalten und die Kehrtwende am Wohnungsmarkt hin zu einem drohenden Wohnungsmangel.

Haushaltsverkleinerung bedeutet, dass Menschen heutzutage in einem jüngeren Alter den Elternhaushalt verlassen. Im nächsten Lebensabschnitt ziehen sie mit ihrem Partner aber erst in einem späteren Alter zusammen als noch vor ein paar Jahren. Junge Menschen leben also länger alleine. Die Lebenserwartung steigt für alle Menschen in der Schweiz, wodurch Menschen später sterben und folglich weniger Haushalte aufgelöst werden. Ferner trägt dazu bei, dass die Älteren mehr Wohnfläche pro Kopf beanspruchen als in der Vergangenheit. Während Unter-25-Jährige konstant 46 Quadratmeter im Schnitt beanspruchen und 25-65-Jährige 59 Quadratmeter, ist der Platzbedarf für Über-65-Jährige von 68 auf 71 Quadratmeter in den letzten sieben Jahren gestiegen (+4.4%).

4. Wende frühestens 2024

2023 dürfte sich der Mangel an Wohnungen verschärfen. Eine Lösung bietet nur der Bau neuer Wohnungen. Im laufenden Jahr ist aber mit keiner Zunahme der Bauaktivität in diesem Segment zu rechnen, denn dafür hätten die Baugesuche schon in den letzten eins bis drei Jahren zulegen müssen.

Zwischen dem Einreichen und der Bewilligung eines Baugesuchs vergehen im Durchschnitt etwas über fünf Monate und zwischen Bewilligung und Fertigstellung des Gebäudes weitere zwei Jahre, total also etwa 2.5 Jahre. Die Anzahl der bewilligten Wohnungen sinkt jedoch seit 2013 fast durchgehend, jüngst erreichte sie die Tiefmarke von nahezu 40.000 Wohnungen. Der Auftragseingang im Wohnungsbau schwankt seit 2013 zwischen 7 und 8 Mrd. Franken pro Jahr. Der nominale, jüngste Anstieg in den letzten eins bis zwei Jahren ist eine Folge des deutlich teureren Baumaterials. Heutzutage kostet der Bau einer neuen Wohnung im Mehrfamilienhaus laut Baupreisindex 13% mehr als noch vor zwei Jahren. Höhere Kosten bedeuten für Investoren weniger Rendite.

Die Niedrigzinsen haben seit Anfang des letzten Jahrzehnts den Bau von Mehrfamilienhäusern in der Schweiz befeuert. Mit jedem zusätzlichen Jahr hat aber der Zinseffekt nachgelassen, weil die Rendite auf Immobilien durchgehend gesunken ist. 2022 kam die Zinswende, erstmals seit 20 Jahren ist die Rendite auf Mehrfamilienhäuser endlich wieder gestiegen. Mit dem Zinsanstieg haben Investoren aber wieder eine grössere Auswahl, in welche Anlageklasse sie ihr Geld stecken wollen. Die Zinsen auf schweizerische Staatsanleihen sind deutlich gestiegen und dürften 2023 1.5% erreichen. Damit Investoren also weiterhin Interesse an Immobilien haben, muss ihre Rendite zunehmen, das heisst, die Mieten werden steigen.

Tatsächlich ziehen gemäss verschiedenen Indizes die Mietpreise seit ein paar Quartalen wieder an und die Investoren erwarten laut einer Umfrage des Hauseigentümerverbands in den nächsten 12 Monaten weiter steigende Mietpreise. Dies alles bedeutet, dass der Wohnungsmarkt 2023 angespannt bleibt. Erst eine deutliche Zunahme der Bauaktivität dürfte Entspannung bringen, aber es gibt keine Anzeichen, dass dies vor 2024 oder gar 2025 geschieht.

Um wieviel steigen die Baukosten, wenn sich das Baumaterial verteuert?

n den vergangenen Monaten hat sich das Baumaterial verteuert. Angesichts dessen fragen sich Häuslebauer, wie sich die Materialteuerung auf die Baukosten eines Einfamilienhauses auswirkt.

Die abgebildete Zeichnung ist die erste schweizweite Antwort auf diese Frage. Sie wurde in Zusammenarbeit mit mehreren Verbänden der Baubranche unter dem Dach von bauenschweiz erstellt.

Abgebildet sind die 15 gewichtigsten Gewerke, welchen Beitrag sie an den Baukosten leisten und wieviel davon wiederum das Baumaterial ausmacht. Die Baumeisterarbeiten etwa kommen für 18% an den gesamten Baukosten auf. Von diesen 18% wiederum machen 40% das Baumaterial aus.

Alle Materialien zusammen verursachen rund 40% der Baukosten am Einfamilienhaus. Kostet der Bau eines Einfamilienhauses 1 Mio. Franken, so trägt das Material 400.000 Franken bei. Steigen die Materialkosten um 10% auf 440.000 Franken, so kostet das Haus total 1.04 Mio. Franken, also +4%.

Die Kosten für den Kauf eines Grundstücks wurden bei den Berechnungen nicht berücksichtigt.

Mehr Einsprachen erhöhen Mietpreise

1. Einsprachen steigen vielerorts

Eine SBV-Recherche bei verschiedenen Städten und Kantonen zeigt, dass Einsprachen und Rekurse gegen Bauprojekte vielerorts in den letzten Jahren zugenommen haben. Die Erhebung von Einsprachen ist kostenlos und führt oft zu einer jahrelangen Verzögerung von Bauprojekten, was für Partikularinteressen (z.B. die schöne Aussicht aus der eigenen Wohnung auf den See bewahren, die durch das neue Gebäude sonst beeinträchtigt wäre) missbraucht werden kann. In der Stadt Zug wurden mittlerweile gegen 40% der Baugesuche Einsprachen eingereicht, ein neuer Rekord. Das Baurekursgericht des Kantons Zürich hat 2022 erstmals über 1 000 Rekurse registriert. Die Flut an Einsprachen in den letzten Jahren beeinträchtigt die Dauer bis zur Bewilligung von Baugesuchen und damit die Wohnbautätigkeit.

2. Die Bewilligung dauert jetzt im Kantonsdurchschnitt 85% länger

In jedem Kanton der Schweiz dauert es heute länger als vor 10 Jahren bis ein Baugesuch bewilligt ist. Dies obwohl die Digitalisierung Einzug hält. Es wurden mehr Baunormen entwickelt, welche das Bauen stärker regulieren und die Prüfung von Baugesuchen anspruchsvoller machen. Manche Bauämter haben mit einer höheren Fluktuation beim Personal zu kämpfen und mancherorts werden mehr Baugesuche gestellt als in der Vergangenheit. Aber die grossflächige Zunahme der Bewilligungsdauer – in den meisten Kantonen um min. 50%, in mehreren sogar eine Verdoppelung – ist zu einem guten Teil auf mehr Einsprachen zurückzuführen. Mittlerweile wartet man im landesweiten Schnitt fünf Monate auf die Bewilligung, vor 10 Jahren waren es nur zwei bis drei Monate.

3. Weniger Investitionen in Wohnungsbau pro Kopf

Rund 50 000 Wohnungen sollten jedes Jahr gebaut werden, um die zusätzliche Nachfrage infolge des Bevölkerungswachstums und der Haushaltsbildung zu absorbieren. 2018 wurden 53 000 Wohnungen erstellt, seitdem wurde die notwendige Anzahl nicht mehr erreicht. Die rückläufigen Baugesuche deuten auf keinen Trendwechsel im 2023 und 2024 hin. Die preisbereinigten Ausgaben für den Bau von Wohnungen sind erstmals seit 13 Jahren wieder unter die Marke von 3 000 Franken pro Einwohner gesunken. Die zahlreichen Einsprachen der jüngeren Vergangenheit erhöhen die Bewilligungsdauer eines Baugesuchs und steigern die Unsicherheit, ob ein Baugesuch überhaupt genehmigt wird. Dementsprechend sind private und institutionelle Bauherren weniger geneigt, neue Wohnungen zu errichten.

4. 21 von 26 Kantone erwarten Mietpreiserhöhungen wegen zu tiefem Leerstand

Die Einsprachen tragen viel dazu bei, dass zu wenige Wohnungen gemessen am Bedarf entstehen. In der Folge sinken die Leerstände seit mehreren Jahren, schweizweit beträgt die Leerstandsquote nur noch 1.15%. Ist der Leerstand zu tief, können Vermieter höhere Mietpreise verlangen. Ist der Leerstand zu hoch, müssen sie die Mietpreise senken. Statistisch betrachtet gibt es also ein gewisses Niveau an Leerständen, das zu stagnierenden Mietpreisen führt. Dieses Niveau variiert von Kanton zu Kanton. Aber in 21 von 26 Kantonen bewegt sich der aktuelle Leerstand unter dem jeweiligen „miet-neutralen» Niveau, was zu steigenden Mietpreisen führen dürfte. Gemäss Schätzungen führt ein Leerstand von 1% unter dem neutralen Niveau zu einer Mietpreiserhöhung von 0.6%.

Wohnraum effizienter nutzen

1. Die meisten Schweizer wohnen in zu grossen oder zu kleinen Behausungen

Der Platzbedarf eines Menschen variiert mit dem Alter und der Lebenssituation. Junge Menschen belegen im Schnitt rund 40 Quadratmeter Wohnfläche, Ältere hingegen zwischen 60 und 70 Quadratmetern.

Es überrascht aber, dass in fast allen Alterskohorten rund 80% der Menschen mit ihrer aktuellen Wohnfläche nicht zufrieden sind, sie wollen entweder mehr oder weniger Wohnfläche als sie aktuell nutzen. Lediglich 40% der 40- bis 49-Jährigen sind mit der aktuellen Fläche glücklich.

Die Älteren wüschen sich mehrheitlich weniger Wohnraum, die jüngeren hingegen mehr Fläche. Es scheint, als wohnen die meisten Generationen in den falschen Unterkünften, daher stellt sich die Frage, wie der vorhandene Wohnraum effizienter genutzt werden kann.

Effizient bedeutet, dass möglichst vielen Menschen genau jene Wohnfläche zur Verfügung stehen würde, die sie sich je nach Alter und Lebenslage wünschen.

2. Änderung der Haushaltsgrösse ist der wichtigste Umzugsgrund

Junge Menschen sind mobiler und umzugswilliger als ältere. Drei Viertel der unter 30-Jährigen sind offen für einen Umzug, von den Über 50-Jährigen noch immer jeder Dritte. Im Schnitt planen 45% der Schweizer Bevölkerung einen Umzug.

Der wichtigste Grund für einen Wohnungswechsel ist die Familiengründung bzw. zusätzlicher Nachwuchs, 45% der Befragten nennen diesen Auslöser. Umgekehrt bedeutet der Auszug der eigenen, mittlerweile erwachsenen Kinder für 18% der Befragten, sich nach einer kleineren Bleibe umzusehen. Dies betrifft naturgemäss die Über-50-Jährigen.

10 bis 20% der Befragten geben jeweils neben dem Wechsel des Arbeitsorts, der Pensionierung oder dem Erwerb von Wohneigentum insbesondere Finanzen als Grund für einen Umzug an, wie etwa einen Mietpreisanstieg oder die Ansparung von ausreichend Vermögen. Dies sind alles Umstände, welche die Lebenssituation verändern und zu einem Umzug führen können.

Ob man tatsächlich sein zu Hause wechselt, hängt damit nicht nur von dem Wunsch nach mehr oder weniger Wohnfläche ab.

3. Kluft bei Mietpreisen zwischen alt und neu verhindert Umzüge

Ein weiterer wichtiger Grund, der die Menschen vom Umzug abhält, ist die grosse Kluft der Mietpreise zwischen bestehenden und neuen Wohnungen. In langjährigen Wohnverhältnissen sind die Mieten vergleichsweise tief, denn ihre Anpassung ist gesetzlich eng vorgegeben. Seit 2009 haben sich die Mieten für neue Angebotswohnungen um bis zu 8% mehr verteuert als für ältere Bestandswohnungen. Dies führt zu einem „Lock-In“-Effekt («Einlochungseffekt»): Selbst wenn die Menschen in eine neue, kleinere Wohnung umziehen sollten, so bezahlen sie mitunter eine höhere Miete als in der bisherigen, grösseren Wohnung.

Mag der höhere Mietpreis objektiv gerechtfertigt sein, etwa weil der Ausbaustandard oder die Wärmedämmung im Neubau besser sind als im Altbau: Nicht jeder kann oder will mehr Franken für die Wohnung aufbringen. Die Zweiteilung des Wohnungsmarkts trägt daher zu einer ineffizienten Nutzung der vorhandenen Wohnflächen bei. Subventionierter Wohnraum oder «gemeinnützige» Bauten unterteilen den Wohnungsmarkt noch weiter und verschärfen das Problem zusätzlich. Mietpreisbremsen sind ebenfalls schlechte Ideen, weil sie den Bau neuer Wohnungen reduzieren und damit das Wohnraumangebot weiter einschränken.

4. Unkonventionelle Herangehensweisen

Es gibt mehrere Internetportale, auf denen Wohnungen zur Vermietung ausgeschrieben werden. Gelegentlich findet man Angebote für einen Wohnungstausch: Zwei Parteien tauschen ihre Wohnungen, weil die eine Partei mehr, die andere weniger Wohnraum wünscht. Zugleich soll ein Anstieg des jeweiligen Mietpreises verhindert werden. Eigentümer von mehreren Mietwohnungen können ebenfalls als Drehscheibe fungieren, wie die Credit Suisse jüngst in ihrer Überbauung «Accu» in Zürich-Oerlikon gezeigt hat. Dazu gehören rund 150 Wohnungen. Die CS bietet den Mietern an, innerhalb des Areals ihre Wohnung zu tauschen sobald eine andere frei wird und dabei ihren bisherigen Quadratmeter-Mietpreis beizubehalten.

Ein langjähriger Mieter lebte bislang in einer 4.5-Zimmer-Wohnung mit 110 Quadratmetern, er zahlte 1 800 Franken Miete monatlich, also 16.40 Franken je Quadratmeter. Zieht der Mann in eine kleinere Bleibe mit 80 Quadratmetern, so zahlt er lediglich 1 312 Franken. Dies ist ein günstiges Angebot für Zürcher Verhältnisse. Die CS wiederum kann die nun leerstehende, grössere Wohnung zu einem höheren Preis von etwa 2 000 Franken vermieten. Die CS erzielt also mehr Einnahmen.

Dennoch entrichtet der Nachmieter eine recht günstige Miete, denn vergleichbare Objekte kosten monatlich meist einige Hundert Franken im Monat mehr. Auf diese Weise wird die Kluft bei den Mietpreisen zwischen alten und neuen Wohnungen schrittweise verringert und der Wohnraum effizienter genutzt.