Die Kantone verdichten
Die Ressource Boden ist begrenzt, etwa für Erholungsgebiete. Daher ist es erfreulich, dass die Verdichtung beim Wohnungsbau in den meisten Kantonen voranschreitet.
1. Mehr Bevölkerung, wenig Platz
Der Ort, wo wir wohnen, arbeiten oder uns erholen beeinflusst unsere Lebensqualität. Angesichts des grossen Bevölkerungswachstums in der letzten Dekade gewinnt die Verdichtung an Bedeutung. In allen Kantonen ist die Bevölkerung gewachsen, in fünf Kantonen sogar um mehr als 10%: Freiburg ist Spitzenreiter mit 12.2%, gefolgt von Waadt, Aargau, Zürich und Thurgau. Hingegen zeigt Neuchâtel das scheuste Wachstum mit 1.1%.
In den fünf Kantonen mit dem grössten Bevölkerungswachstum hat auch die Anzahl Arbeitsplätze deutlich angezogen. Die Jobs sind in Freiburg um 9.2% gestiegen, ein Rekordhalter.
Mehr Menschen, die auf derselben Fläche wohnen und arbeiten. Eine verdichtete Bauweise tut daher not.

2. Wertvollen Raum effizient nutzen
Wie effizient nutzen die Kantone die Ressource-Boden? Um die Frage zu beantworten, muss man vergleichen, ob die Siedlungsfläche stärker gestiegen ist als die Anzahl Raumnutzer (Bewohner und Arbeitsplätze). Falls ja, so bauen die Kantone dichter, sie nutzen den Raum effizienter. In 19 Kantonen wurde dichter gebaut, hier stieg die Siedlungsfläche stärker als die Anzahl Raumnutzer. Zürich, Zug, Basel-Stadt, Genf und Waadt sind die fünf Kantone mit dem besten Verhältnis.
In Kantonen wie Uri, Bern oder Glarus ist die Anzahl Raumnutzer vergleichsweise gering gewachsen. Der zusätzliche Bedarf an Wohn- und Arbeitsraum ist nicht wesentlich gestiegen, die Notwendigkeit zur Verdichtung ist damit vielleicht etwas geringer als in den meisten anderen Kantonen.

3. Entspannung – immer ein Thema
Abstand vom Alltag nehmen braucht Platz – wo findet man ihn und wie grün ist das Gras auf der anderen Seite resp. im anderen Kanton? In den meisten Kantonen sind die Grün- und Erholungsflächen pro Einwohner in der letzten Dekade gesunken. Bloss in sechs Kantonen ist die Fläche pro Kopf gestiegen, die besten Werte weisen Obwalden und Luzern aus. In Basel-Stadt ist Verhältnis konstant geblieben, in allen anderen Kantonen ist es gesunken. Das Bevölkerungswachstum dürfte der wichtigste Grund sein, auf begrenztem Raum wird nun ein Quadratmeter von mehr Menschen geteilt als früher. Die Umnutzung etwa von Brachen in Gärten und Parks konnte mit der Bevölkerungszunahme oft nicht Schritt halten. Da nicht alle Neubauten alte Gebäude ersetzen, wurden Wohn- und Büroflächen teilweise auch auf Erholungs- und Grünanlagen geschaffen. Die weitere Verdichtung von Immobilien würde die bestehenden Grünflächen schonen, sie könnte sogar Platz für neue Erholungsgebiete schaffen.

4. Der Traum vom eigenen grossen Zuhause
Mit Ausnahme von Genf und Basel ist die durchschnittliche Wohnfläche pro Bewohner in allen Kantonen seit 2012 gestiegen. Da Genf kaum noch freie Bauflächen bietet, ist die Verdichtung schon nahezu Pflicht. Auch viele Kantone mit grossen wirtschaftlichen Städten wie Zürich und Bern haben nur begrenzte Möglichkeiten, mehr Flächen für neue Wohngebäude umzunutzen. Die Verdichtung und der Ersatzneubau ermöglichen es aber, auf einer gegebenen Fläche mehr Platz pro Wohnung und Bewohner herauszuholen. Moderne Wohnungsschnitte und Bauweisen machen dies möglich. Steigt die Nachfrage für grössere Wohnungen, profitiert davon auch die Baufirma.
